Die Macht der Autosuggestion

Die Macht der Autosuggestion

Ein Leben ohne Autosuggestion gibt es nicht. Deshalb tut man gut daran, zu lernen, diesen kraftvollen Mechanismus zu seinen Gunsten einzusetzen. Autosuggestion ist die bewusste oder unbewusste Beeinflussung unser selbst durch tiefe Überzeugung. Was wir glauben, passiert. Überzeugung schafft Fakten. Autosuggestion gibt es so lange wie die Menschheit und sie kann die besten und schlechtesten Wirkungen hervorrufen. Das jedenfalls meint ihr Entdecker, der französische Apotheker und Psychotherapeut Emile Coué. Ihm war aufgefallen, dass die Medikamente, die er seinen Kunden aushändigte, viel besser wirkten, wenn er versicherte, dass es sich dabei um ein außerordentlich wirksames Medikament handele und der Patient schon bald wieder gesund sein würde. Er nannte diesen Trick Autosuggestion und diese seine Ideen und Methoden waren DER Renner in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Er behandelte mehrere Zehntausende Hilfesuchende erfolgreich mit seiner Methode. Autosuggestion ist die Einpflanzung einer Idee in uns selbst durch uns selbst. Die Idee dazu kann durchaus von einer dritten Person stammen. Das wäre dann eine Suggestion. Wenn wir den Vorschlag akzeptieren, wird daraus eine Autosuggestion.

Die Kräfte, die in uns wirken

Wir sind zwei intelligente Wesen, das Bewusste und das Unbewusste. Die Existenz des Unbewussten wird in der Regel nicht wahrgenommen. Daher der Name. Das Bewusste weiß nicht viel und hat ein löchriges Gedächtnis. Aber wenn es etwas beleuchtet, dann wie ein greller Scheinwerfer. Das Objekt im Fokus wird scharf abgebildet, der Rest der Welt liegt im Dunkeln. Unser Bewusstsein kann sich nicht verkneifen, ständig alles zu bewerten und zu hinterfragen. Das Unbewusste hat dagegen ein hervorragendes Erinnerungsvermögen und weiß ALLES. Es richtet nicht das Spotlight auf ein Ziel, aber leuchtet den gesamten Raum aus. Das Licht ist dabei sehr dämmrig. Deswegen wissen wir nicht, was es sieht. Und: Das Unbewusste ist leichtgläubig und akzeptiert alles, was man ihm sagt. Das Unbewusste ist aber der Herrscher in unserem Kopf. Deswegen muss man sehr darauf achten, was es zu hören bekommt. Denn was es wahrnimmt, fasst es als Befehl auf und setzt es um. Auf Biegen und Brechen. Komme, was da wolle. Der Pfiff an der Autosuggestion ist, dem Unbewussten die richtigen Flausen in den Kopf zu setzen.

Wille und die Vorstellungskraft

Der Wille ist die Fähigkeit, sich frei für eine bestimmte Handlung zu entscheiden. Doch wenn der Wille mit der Vorstellungskraft in Streit gerät, hat immer diese das letzte Wort und setzt sich gegen den freien Willen durch.
Folgende Beispiele machen das deutlich: Erinnert sich jemand an den einsamen Laternenpfahl, den wir als ungeübter Radfahrer unweigerlich rammen als wäre er magnetisch – nur weil wir uns vorstellen, wie wir auf diesen Pfahl brummen? Ich will es vermeiden, sagt der Wille, aber ich kann es nicht sagt, sagt die Vorstellungskraft. Auf einem Brett, das am Boden liegt entlang zu laufen, ist ganz einfach. Liegt das Brett aber über einem Abgrund, fangen wir an zu wackeln und fallen herunter. Weil wir uns vorstellen, wie wir herunterfallen. Und obwohl der Wille dagegen wirkt und nicht fallen möchte, setzt sich die Vorstellungskraft durch.
Wir sind stolz auf unseren Willen und unsere Handlungsfreiheit. Aber in Wirklichkeit sind wir nur Marionetten unserer Vorstellungskraft. Das muss aber nicht schlecht sein. Wir müssen uns nur das Richtige vorstellen. Vorstellungskraft ist ein etwas schwer zu fassender Begriff. Aber Glaube oder Überzeugung meint dasselbe. Und Überzeugung schafft Fakten. Das ist ja bekannt…
Die Vorstellungskraft ist wie ein reißender Fluss, der uns fortspült, obwohl wir das nicht wollen und uns heftig dagegen wehren. Oder sie ist wie ein durchgehendes Pferd, dass das Ziel bestimmt und seinen Reiter einfach mitnimmt. Wer Autosuggestion erfolgreich einsetzen will, um die Dinge seines Lebens zum Positiven zu wenden, muss lernen, dieses Pferd zu reiten.

Wir kriegen was wir sehen

Wer in seinem Leben dem Thema Autosuggestion nie bewusst begegnet, reitet wohl das richtige Pferd und kann es einfach laufen lassen: Selbstverständlich wird mir alles gelingen, werde ich alles erreichen, was ich mir wünsche. Als altes Kind oder junger Erwachsener stelle ich mir vor, wie ich später in meinem Häuschen im Grünen, mit meiner Familie und meinem Hund im Garten den Sommersonnenschein genieße. Und alles kommt, wie auf einer Perlenkette, oder einem Zahnrad, fast von alleine. Mühelos. Das ist das Geheimwort. Autosuggestionen erfüllen sich mühelos. Wer sich zu diesem Zeitpunkt vorstellt, wie er oder sie vierzig Jahre später mit strähnigen Haaren und dreißig Kilo Übergewicht in einem Kasack und mit einem Riesenfeudel in der Hand nachts die Marmorböden der Glaspaläste wischt, in denen die glückliche Familie tagsüber ihren Reichtum vermehrt hat, wird auch das mühelos umsetzen.
Daher ein immens wichtiger TIPP: Bitte ganz schnell eine neue Vorstellung kreieren. Ganz schnell und ganz gründlich.

Die Rechenregeln von Emile Coué

Emile Coué stellt folgende Regeln über das Zusammenwirken von Willen und Vorstellungskraft auf: Die Vorstellungskraft siegt ausnahmslos über den Willen, wenn beide nicht übereinstimmen. Im Konflikt beträgt die Vorstellungskraft so viel wie das Quadrat der Willenskraft.
Bei Übereinstimmung multiplizieren sich beide Kräfte. Die mathematischen Regeln sind selbstverständlich nur symbolhaft zu verstehen, machen aber deutlich, an welcher Schraube man drehen muss, wenn man etwas verändern will.

Affirmationen und Glaubenssätze

Es geht bei der Autosuggestion also darum, das Unbewusste zu beeinflussen, es auf den gewünschten Kurs zu bringen, damit es dann umsetzt, was wir uns wünschen. Das funktioniert über Affirmationen. Das sind Aussagen über das, was geschehen soll – und wird, sobald das Unbewusste es erst einmal angenommen hat. In dem Sinne gibt es keine Einbildung für das Unbewusste, denn jede Einbildung wird zu Realität. Überzeugung schafft Fakten. Und das Leben ist voller Affirmationen, guter wie schlechter. Es scheint am wirkungsvollsten zu sein, wenn Affirmation unter Ausschluss des Bewussten in unseren Kopf gelangen, zum Beispiel während wir schlafen. Deswegen schlägt Emile Coué vor, Eltern sollten ihren schlafenden Kindern erzählen, was alles so toll an ihnen ist und wie großartig sei sind. Niedlich, oder?
Wer aber Autosuggestion nutzen möchte, um sein eigenes Dasein zum Besseren zu wenden, sollte seine Affirmationen leise vor sich hersagen, ohne sich darauf zu konzentrieren. Das Bewusstsein soll ja nichts davon mitbekommen, sonst treibt es nur wieder quer.
Affirmationen sind wohl auch unter dem Namen Glaubenssätze bekannt. Egal, wie man sie nennt: gute muss man verinnerlichen, schlechte verwerfen. Das ist nicht so einfach wie es klingt. Wenn sich eine Affirmation über Jahrzehnte in unser Gehirn eingebrannt hat, kann man sie nicht so leicht über Bord werfen. Aber sie wird irgendwann mühelos durch eine neue ersetzt. Versprochen.

Autosuggestion kann man nicht nur für medizinische Probleme anwenden, sondern für alle Dinge des täglichen Lebens, die man in eine andere Richtung lenken möchte. Auch und vor allem für beruflichen oder wirtschaftlichen Erfolg. Auch Napoleon Hill beschreibt das in seinem Werk „Denke nach und werde reich„. Sein Kultbuch stellt eigentlich eine Analyse der Erfolgsgeschichten der erfolgreichsten Geschäftsleute im Jahre 1938 dar. Wer vor der Lektüre einen Finanzratgeber erwartet wird verblüfft sein. Im Grunde geht es immer nur um Autosuggestion. Jeder erfolgreiche Millionär des frühen zwanzigsten Jahrhunderts verdankt seinen immensen Reichtum seinen besonders starken Visionen, die ihn wie an einem unsichtbaren Seil zum Erfolg geführt haben. Autosuggestion ist auch für Napoleon Hill das Mittel der Wahl, um eine positive Lebenseinstellung zu erlangen. Mithilfe von Autosuggestion ist es möglich, aktiv positives Denken im Unterbewusstsein verankern. Das wirkt sich auf den Charakter, die Ausstrahlung aus und letztlich fällt auch der Erfolg viel größer aus als bei einem verzagten Zauderer.

Kurz gesagt:
Autosuggestion ist der Zug, auf dem wir durchs Leben fahren. Wir sollten streng darauf achten, entweder gleich in den richtigen Zug zu steigen, oder wenigstens rechtzeitig umsteigen, wenn wir merken, dass wir mit dem Fahrtziel nicht einverstanden sind.
Es ist nie zu spät.

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